Nachdem ich 4 Jahre geritten hatte und bereits mein erstes pflegepony hatte kam eine tinker-mix-stute über den Tierschutzverein zu uns auf den Hof. Zunächst wollte ich mein aktuelles Pony nicht abgeben aber da ich immer weiter wuchs wechselte ich zu der tinker-stute. Ihr Name War Blue passend zu Ihrer blauen Porzellan-Scheckung. Blue hatte eine schlimme Vergangenheit hinter sich.
Genau weiß ich nicht was passiert ist aber sie War abgemagert, ließ sich vor lauter Panik vor dem Menschen auf der Wiese gar nicht einfangen und wenn man sie gefangen hatte trat sie nur um sich. An reiten War anfangs gar nicht zu denken. Eines Tages hörte ich von monty roberts und seinen Methoden. Wissend das auch ich so einen”problemfall” im Stall hatte beschäftigte ich mich intensiv mit ihm und seinen methoden und versuchte sie so gut Es ging nachzumachen. Wir arbeiteten täglich zusammen. Langsam baute sie Vertrauen zu mir auf. Um die Geschichte etwas abzukürzen: bald wuchsen wir zusammen Wie Pech und Schwefel. Nichts konnte uns trennen. Sie kam auf der Wiese zu mir gelaufen, genoss das putzen und die streicheleinheiten. Nur an ihre hinterbeine durfte ich nach wie vor nicht ran. Es kam der Tag wo wir das erste mal zusammen geritten sind. Naja geritten ist übertrieben denn blue wusste mit ihren 13 Jahren noch nicht wie man die Füße zu sortieren hat. Um auch hier wieder etwas abzukürzen: nach 2 Jahren War blue im Umgang (bis auf ihr hinterbein-problem) völlig unkompliziert. Zumindest bei mir. Bei anderen Menschen tauchte ihr altes Verhalten immer wieder auf. Ich nahm an turnieren Teil. Höhepunkt War hier der 3. Platz in einem reiterwettbewerb und ich War sehr stolz. Auch springen ging super mit ihr. Wir gingen alleine ausreiten, schwimmen. Alles was zu einem glücklichen Pferde-Leben dazu gehört. Außerdem ging blue nun regelmäßig 1x pro Woche als voltigierpferd mit den Kindern von 4-7 Jahren. Die kinder durften vom po runter rutschen, krabbelten unterm Bauch her. Alles hat sie mit gemacht: so lange ich da War. Kaum War ich mal nicht im Stall, klingelte mein Handy weil blue sich nicht satteln ließ und sowieso ganz unmöglich benahm. Kaum War ich da, War sie brav. Wenn ich traurig War stand sie ganz still, prustete mich an oder stupste mich an. Während dieser Zeit habe ich blue eine Sache versprochen: ich werde für Sie da sein, bis einer von uns beiden sein Ende erreicht hat. Da wusste ich aber leider nicht, dass unsere Geschichte kein happy end haben würde. Eines tages fing blue an zu husten. Heustauballergie wurde mir gesagt. Aber ihr Zustand verschlimmerte sich nach und nach. Mehr husten, sie wurde immer dünner. Ihre flanken hebten sich deutlich beim atmen. Da bin ich sie noch geritten. Als dann immer öfter nasenbluten und unerklärliche schweißausbrüche dazu kamen und blue einen ganz leeren Blick hatte, War mir klar das es etwas ernsteres War. Wir gingen nur noch spazieren, sofern ihr Zustand es zugelassen hat. Ich sah mit an, wie es blue immer schlechter ging und als rb hatte ich leider kaum Möglichkeiten mich wegen tierarzt oder so einzumischen (zumal ich damals noch minderjährig War). Eines Tages sprach mich die Besitzerin an und gemeinsam entschieden wir, blue von ihrem leiden zu erlösen. Ich War alleine mit ihr auf dem Hof. Blue bekam das erste mal in Ihrem Leben ein paar Stücke Zucker von mir und dann begleitete ich sie Bis zum letzten atemzug. diese Geschichte ist nun 7 Jahre her. Seither hatte ich schon2 RB’s und auch schon 2 eigene Pferde (bzw. 1 habe ich noch). Ich liebe alle Pferde um die ich mich gekümmert habe oder die ich besitze. Aber eine so wunderbare Beziehung und Freundschaft wie ich es mit blue hatte, ist mir nicht mehr untergekommen. ich werde meine blue nie vergessen. Sie War, ist und bleibt immer etwas besonderes für mich.
von Marina Unterlaß